Haus der Jugend Osdorfer Born

Griechenland 1996

Bericht über eine typische Griechenlandreise

Die Vorbereitung:

  1. Antragstellung
  2. Schnelle Findungsphase der Teilnehmerinnen, damit wir möglichst schnell auf Veranstaltungen, und sonstigen Ereignissen alle zusammen ( die Griechenland Gruppe) Geld verdienen können, um unsere Reise zu finanzieren.
  3. Eine Übernachtungsmöglichkeit in Süd - Deutschland organisieren. Ein Haus der Jugend in Bad Reichenhall stellte sich zur Verfügung.

*"Diese Freizeit wurde zusammen mit der "Griechenlandgruppe" (die Teilnehmer der Fahrt) geplant und finanziert. Durch gemeinsame, von den Jugendlichen entwickelte und durchgeführte Veranstaltungen wie z.B.: Coca Cola City Rockfestival, Abi-, Oberstufenfeier, sowie Verkaufsstände - z.B. auf einem Osdorfer Initiativen Wochenende, großen und kleineren Veranstaltungen) wurde ein beträchtlicher Teil der Reise selbst finanziert. Dadurch entwickelte sich frühzeitig die Möglichkeit zur Festigung dieser Gruppe, was durchaus beabsichtigt war, und auch in kommenden Jahren nicht außer Acht gelassen wird.
Unter diesen Voraussetzungen ist es uns gelungen schon nach relativ kurzer Zeit gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, und Beziehungsebenen zu finden.
Schnell zeigte sich für die Jugendlichen, dass sie diese Freizeit mit Eigenengagement, und Eigeninitiative selbst gestalten, und sie erkannten, dass sie die organisatorischen Dinge nur gemeinsam und nicht gegeneinander erledigen konnten.
In dieser Phase beteiligten wir uns als "unentdeckte Steuermänner", übten Subsidiarität und erreichten ein Gruppengefüge welches man zu recht eine Gruppe nennen darf."
* Auszug aus dem Griechenland Nachbericht `94

Ablauf der Fahrt:

1. Station:

im Bus

Nach ganztägiger, anstrengender Autofahrt durch Deutschland erreichten wir abends erschöpft und gespannt das HdJ Bad Reichenhall.

Die Mädchen, eben noch vor Neugierde am zerplatzen und Sprüche klopfender Weise - wir werden es den Jungens mal zeigen, wir Mädels aus der Großstadt - trauten sich plötzlich nicht mehr aus dem Auto.

Die bayrischen Kollegen und deren Jugendliche gaben sich sehr viel Mühe unseren Besuch angenehm zu gestalten, sie grillten extra für uns - im strömenden Regen, veränderten die Öffnungszeiten bis in den späten Abend hinein.

Es kam zu einem freundschaftlichen Austausch unter uns und unter den Jugendlichen, die unseren Mädchen noch am selben Abend die Stadt zeigten.

Die Freundlichkeit, uns entgegen gebracht, ohne einen Gegenwert zu verlangen, verwunderte unsere Mädchen so sehr, dass wir diese Begebenheit zum willkommenen Anlass nahmen, über Dinge wie "geben und nehmen" , " bei Geld hört die Freundschaft auf", Gastfreundschaft - auch in Bezug auf den weiteren Verlauf der Reise zu diskutieren.

Nachdem wir die Bad Reichenhaller beschenkt (ein Hamburg Buch) und zu einem Gegenbesuch eingeladen hatten fuhren wir weiter nach Trieste.


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1. Mal Zelte aufbauen mit den dazu gehörenden Schwierigkeiten und dem wiederum dazu gehörenden "Gemaule".

1. Mal Essen gehen (Pizzeria) mit dem dazu gehörenden:

Dann danach - der Ober kredenzt uns, trotz des merkwürdig anmutenden Verhaltens an unserem Tisch, Melone und andere Kleinigkeiten.......
"äääääähh so was esst` ich nicht", und sie schiebt angewidert den Teller weg, den der Kellner erst eine Sekunde zuvor auf den Tisch stellte.

Jedenfalls Anlass genug mal das eigene Verhalten zu reflektieren und ein kleines Streitgespräch zu eröffnen.

Später dann am Abend: Griechisch-Kurs 1.Teil, - zu meiner Verblüffung von den Mädchen gewünscht.

Lustige Situation: Ich spreche die Vokabeln laut vor und sie wiederholen alle gleichzeitig - wie in der Schule denken alle, und es ist ihnen peinlich.

die Fähre legt ab

Schon jetzt bemerken wir, dass es nicht leicht werden wird, dass sie nicht zuhören, nicht aufeinander eingehen können. Sie fragen etwas, warten aber die Antwort nicht ab, können sich Sekunden später nicht einmal mehr daran erinnern etwas gefragt zu haben usw.; wir werden sehen.

Noch in derselben Nacht saßen zehn kreischende Mädchen rauchend im VW-Bus, alle Fenster zu, der Grund dafür war eine 2 cm Spinne im Zelt.
Nachtarbeit.

Nächster Tag wieder ein Test für Geduld und Nerven jedes einzelnen, Warten auf die Fähre.

Dann die Fähre - ich habe alle unsere Worte noch im Ohr. Auf dem Elternabend und im Gespräch mit jeder einzelnen - nicht in die Sonne zu gehen. Verbrennungsgefahr. Und doch am Abend bekommen wir die Schuld für sämtliche dazu gewonnenen Sonnenbrände.

    Fährenleben            Fährenleben 2

Essengehen klappte gut, und die Mädchen wollten erstaunlich wenig mit uns zu tun haben.


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Am 5.Tag morgens legten wir in Patras an.

Frühstückseinkäufe, späteres Frühstück am Straßenrand. 13.00 Uhr Koroni.

KORONI, richtig griechischer Ort mit Fischern und nicht auf Touristen angewiesenem Eigenleben. Mit traditionellen Kafeneia, mit Popen und Händlern, und natürlich einer Festung. Ein Ort mit zwei Seiten, wovon die eine von Touristen fast verschont bleibt, weil sie sie schlichtweg nicht finden, mit Alleen und Palmenstränden und einer großen Kirche.

Die andere mit Hafen und Promenade, einer Kirche gänzlich aus Beton. Beide getrennt durch einen Bergkamm, wo wiederum eine Kirche thront, der Friedhof ist und die Festungsreste zur Besichtigung einladen.

Abgesehen von unseren täglichen normalen Verrichtungen und Pflichten, unseren normalen Problemen, die aus mangelndem Sozialverhalten entstehen, von dem Spaß, von den Gesprächen, vom Faulenzen und vom Streiten, vom Schwimmen gehen und Spiele spielen, vom Wäsche waschen, und vom Griechisch-Kurs blieb genügend Zeit für Ausflüge.

am Pool

Beim Zelte aufstellen zeigt sich die gesammelte Anspannung der langen Reise. Die Hitze und die Anstrengung besorgten den Rest: ein Mädchen schreit hysterisch, weint, will nach Hause.

Sie sagt sie holt ihre Borner Freunde die uns zusammenschlagen sollen, oder sie legt sich auf die Straße, denn wenn ihr etwas zustößt, sind wir "dran".

Sie telefonierte mit ihrer Mutter, doch die sagte nur, sie solle sich in die Gruppe einfügen, nach Hause zu kommen, komme nicht in Frage.

Geduld und vor allem die Hilfe der anderen Mädchen, die Erholung am Pool und das gemeinsame Essengehen am Abend beruhigten die Lage.

Dieses Mädchen machte auf der gesamten Fahrt die meisten Fortschritte, war, entgegen unseren anfänglichen Einschätzungen, eine der größten Bereicherungen der Gruppe.


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Nächster Tag: Freiwilliger Ausflug zur einer venezianischen Festung bei METHONI.

Festung Methoni

Nur 4 Freiwillige begleiteten uns die Südküste entlang gen Westen, durch Bergdörfer, über abenteuerliche Pisten. Auf der Fahrt unterhielten wir uns über Thymian - der gerade blühte - , fuhren vorbei an Zitronen- und Orangenbäumen.
Alles von den Mädchen noch nie gerochene, bzw. gesehene Schönheiten der Natur.

In METHONI angelangt, mussten wir leider feststellen, dass die Burg geschlossen war. Papandreou war gestorben und ganz Griechenland saß den ganzen Tag vor dem Fernsehschirm, wo die Beerdigung übertragen wurde. Ich traf einen Griechen, fragte ihn aus, und weil er merkte, was für vernünftige Mitmenschen wir sind und womöglich auch erfreut über unsere Griechischkentnisse, verriet er uns einen geheimen Nebeneingang.
Nach einer kleineren Kletterpartie gelangten wir verbotener Weise in das Innere der Festung.

Wir teilten uns gegenseitig alle Kenntnisse über diesen Punkt der Geschichte mit, schwitzten reichlich, und ich erklärte, wie in Griechenland die Dorfpolizei arbeitet.

Alles in allem war es ein gelungener Ausflug, von dem die Mädchen heute noch gern und viel zu berichten wissen.

Abends: Die besten Souflakis der Westpeloponnes essen, immer wieder Überzeugungsarbeit auch einmal etwas zu probieren was man nicht kennt und die anderen die nicht am Ausflug teilnahmen neidisch, und somit auch neugierig machen für den nächsten Ausflug. Zwischendurch täglich: Griechisch-Kurs.: Kalimera - Guten Tag........Kalispera - Guten Abend ......Kalinichta - Gute Nacht...........

Dann aufräumen, packen, Busse saubermachen, Zelte ausfegen und zusammenrollen, Kippen und anderen Müll aufsammeln, bei 40 Grad.

Weiter nach STOUPA.

STOUPA - kleiner Ort mit sanftem, gemischten Tourismus, zwei Buchten von denen aus man zu Höhlen schwimmen kann, einem Campingplatzwart der mehr einem "Mafiosi" als einem Griechen ähnelt.

Die Preisverhandlung dauerte etwas länger, verlief aber sehr erfolgreich.

Zelt reinigen     Auf der Matte

Es regnet nicht und wir alle verrichten die täglichen Arbeiten, wobei das Zelte aufbauen schon längst kein Problem mehr darstellt und Kleintiere nicht mehr eine Hysterie hervorrufen, sondern kurzerhand erschlagen werden. Ein Teilziel ist erreicht!


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Abends bringen Barbara und ich ein Mädchen mit Unterleibschmerzen ins Krankenhaus nach KALAMATA, nachdem sie am Nachmittag bei einem Dorfarzt Verdacht auf Blinddarmentzündung festgestellt hatten.

Kurze Krankenhausbeschreibung in Stichworten, unterteilt in zwei Punkte:

  1. Notaufnahme später Abend:
    Immer noch ca. 30 Grad, ein Flur - Propeller kreisen an der Decke, Fliegen fliegen, Leute mit Tropf liegen in den Gängen, blutende Menschen rennen hin und her, Geschrei, streitende Ärzte, alle Verwandten dabei, alle rauchen - auch die Ärzte, die Blutprobe muss ich selber ins Labor bringen, eine Baracke im Garten, wieder zurück, zwei Ärzteteams - zwei Diagnosen, das Mädchen weint, Händchen halten, mit der Mutter Telefonieren, es hilft alles nichts, sie muss bleiben.
    Barbara bleibt an ihrem Bett, und ich besorg das Nötigste, etwas zu trinken, Toilettenpapier.
    Sie weint sich in den Schlaf.
  2. Tagesbetrieb:
    Alle Gänge voller Menschen, alle rauchen, in den Zimmern mehr Besucher als Kranke, Besucher kümmern sich auch um den Tropf unserer Kleinen, sie weint.
    Immer noch wissen wir nichts Genaues. Operation oder nicht.
    Täglich: Barbara fährt ins Krankenhaus, mal mit Christa, mal mit mir, dann mit mehreren Mädchen.
    Stress und lange, anstrengende Tage.
    Nach vier Tagen wird sie entlassen.
    In der Zwischenzeit Krisensitzungen im Lager, es haben sich Parteien gebildet, hinterm Rücken gelogen, Zwietracht gesät.
    Die Einen tun nichts die Anderen alles, es wird sich an Abmachungen nicht gehalten, und einige wenige machen durch asoziales Benehmen das Zusammenleben vieler schwierig.
    Wir beschließen mehr und öfter miteinander zu reden, zu verzeihen, Streitigkeiten direkt anzusprechen.
    Die Härtefälle bekommen noch ein Einzelgespräch.

Im Zeltlager zusammensitzen und über Kulturunterschiede und soziale Strukturen reden, dann bei den Zelten sitzen und versuchen die leisesten Menschen auf dem Campingplatz zu sein.

    Höhlen von DIROU 01     Höhlen von DIROU 02

Übernächster Tag: Ausflug zu den Höhlen von DIROU. Barbara, Christa und ich bleiben draußen um Geld zu sparen (der Eintrittspreis war auf 28.- DM pro Person gestiegen), und weil wir sie irgendwann schon mal gesehen haben.

Höhlen von DIROU 03

Lange Vorbereitungsgespräche trugen ihre Früchte, die Mädchen benahmen sich vorbildlich ruhig, wollten die Eindrücke genießen, flüsterten in den Booten um auch mit den Ohren nichts zu verpassen.
Und die griechischen Bootsführer, sonst zur Ruhe drängend, waren aufgebracht wie die Hähne, gockelten, gurrten und grölten von Boot zu Boot, kurz sie benahmen sich wie die Axt im Porzellan Laden, und geradezu gegenteilig meiner vorhererzählten Beschreibung.
Die Mädchen waren zu recht empört.

Diese beachtlichen Eindrücke brachten Zufriedenheit, Dankbarkeit und jede Menge neue Gedanken in die Gruppe, man philosophiert und blödelt. Beides wichtig.
Nächsten Tag Küstenwanderung, das Meer und die Felsen bringen einen schon mal dazu, über die eigene Wichtigkeit nachzudenken.

Vom Ausflug zurück geschah etwas sehr merkwürdiges: Sie hatten noch nicht genug. Also alle noch mal einladen, wir fahren in die Bergdörfer!

Bergdorf

Über Pisten, wo jeder Gelände-Fahrzeug-Besitzer gewendet hätte, über Brücken alt wie die Menschheit, die bisher höchstens mal ein bis zwei Esel tragen mussten.
Wir beschlossen, wenn wir mit genügend Schwung die Brücken passieren, brechen sie frühestens zusammen, wenn wir längst die andere Seite erreicht hatten.
Sie hielten.

Abends kochen, abwaschen, kleine Streitigkeiten - eben Gruppendynamik. Zwischendurch täglich: Griechisch-Kurs. Parakallo - Bitte..............ßingnomi - Entschuldigung.

Später zusammensitzen und über Kulturunterschiede und soziale Strukturen reden, dann bei den Zelten sitzen und versuchen die leisesten Menschen auf dem Campingplatz zu sein.

Durch den verlängerten Aufenthalt waren wir gezwungen die Reiseroute zu verkürzen und entschieden uns für eine Gewalttour quer über den Peloponnes, mit der Fähre hinüber auf das Festland und dann hoch zu der Insel Lefkas zu fahren, was wir dann auch taten.
Zelte aufbauen, Geschirr............. Griechisch-Kurs.........Nachbarn kennen lernen......Rücksicht nehmen.......Essen gehen.........lange Abende voller Gespräche.
Abgesehen von unseren täglichen normalen Verrichtungen, Pflichten und normalen Problemen, die aus mangelndem Sozialverhalten entstehen, von dem Spaß, von den Gesprächen, vom Faulenzen und vom Streiten, vom Schwimmen gehen und Spiele spielen, vom Wäsche waschen, und vom Griechisch-Kurs, blieb genügend Zeit für Ausflüge.

Ausflüge:

Eine Inselrundfahrt, der höchste Punkt Lefkas, die Südspitze, die Katziki Bucht.

    höchster Punkt Lefkas      Katziki Bucht

Kaum noch richtige Krisensitzungen nötig, dafür schöne Gespräche.

Dann aufräumen, packen, Busse saubermachen, Zelte ausfegen und zusammenrollen, Kippen und anderen Müll aufsammeln, bei 40 Grad. Weiter Richtung PARGA.

PARGA, ein wunderschönes Dorf, ca. 50 km südlich von IGUMENITSA gelegen, wo aufgrund seiner leichten Erreichbarkeit und seiner Schönheit die Touristenscharen nur so einfallen. Deshalb von mir ans Ende dieser Fahrt als abschreckendes Beispiel gesetzt.

Parga

Leider dieses Mal ohne durchschlagenden Erfolg, die Mädchen fanden Parga toll. Ein Trost für mich ist, dass sie STOUPA und KORONI genauso fanden.
Die Mädchen hatten mittlerweile gut gelernt auf sich aufzupassen, kümmerten sich untereinander, was so weit ging, dass wenn sie in der Disco zu einem Getränk eingeladen wurden, dieses nur annahmen, wenn alle Mädchen eingeladen wurden.

So waren unsere Mädchen schnell stadtbekannt.


Ein Grieche und dessen deutsche Frau luden uns daraufhin zu einer Schluchtbesichtigung ein, was für alle Beteiligten das wohl herraus ragendste Ereignis der ganzen Fahrt werden sollte.

Wir fuhren alle zu dem ausgemachten Treffpunkt, wo wir mit den Worten begrüßt wurden, "wo ist denn euer Badezeug?"

In der Aufregung habe ich vergessen zu erwähnen, dass diese Schlucht von einem Fluss bewohnt ist, der durch hunderte eiskalte Quellen aus den Bergwänden gespeist wird.

Ich weiß noch wie ich sagte, na und, dann wird man eben bis zu den Knöcheln nass.
An der ersten Stelle, wo uns das Wasser bis zum Bauchnabel stand, drehten die ersten vier Mädchen um, und streiften mich mit einem vorwurfsvollen Blick. Als wir plötzlich schwimmen mussten drehten noch mal drei Mädchen um.

Doch alle anderen gingen, schwammen, kletterten immer weiter hinein und staunten ohne Unterlass.

Dann aufräumen, packen, Busse saubermachen, Zelte ausfegen und zusammenrollen, Kippen und anderen Müll aufsammeln, bei 40 Grad.

Rückfahrt: Siehe Hinfahrt.

Reflexion:

Es entstand bei den Mädchen ein "Wir-Gefühl", welches dazu beitrug, dass sie jetzt bereit sind über alles zu reden was der Einzelnen widerfuhr oder sie sonst bewegt.
Wir besprachen Probleme ebenso intensiv, wie die schönen Dinge des Lebens, und nun waren die Mädchen bereit unsere "Interventionsberechtigung" zu erweitern. Gemeinsame Erlebnisse, genauso wie die Erfüllung jeglicher Pflichten schweißten die Gruppe mehr und mehr zusammen.
Schon nach kurzer Zeit stellten sich Lieben und Schwächen einzelner heraus, auf die wir entweder positiv bestärkend, oder unterstützend, mit Verständnis reagierend eingingen. Das Selbstbewusstsein wurde gestärkt und selbständiges Handeln einzelner für die Gruppe war die Folge.
Die Mädchen gewährten uns Einblick in ihr Privatleben, ihr Gefühlsleben, ihre Argumentationsweisen, suchten ihrerseits nach Einblick in uns, legten ihre - uns sonst so gewohnte - Interesselosigkeit ab und zeigten uns hiermit wie unwiderruflich wichtig diese Art Fahrten für sie sind. Wieder in Hamburg-Osdorf angelangt, bestätigte sich wieder einmal, dass das einmal Erfahrene, Gelernte und Gefühlte sich nicht einfach in Luft auflösen kann. Die Teilnehmerinnen dieser Fahrt beeinträchtigen das Klima im HdJ nachhaltig positiv. Freundschaften in Griechenland gebunden, werden gepflegt, unauslöschbare Erlebnisse sorgen für interessanten Gesprächsstoff und nicht zuletzt ist eine stärkere, intensivere Anbindung dieser Mädchen an unser Haus zu spüren, welches sich wiederum darauf auswirkt, dass die Mädchen sich für dieses Haus verantwortlich fühlen.

Eine Jugendfreizeit ist die intensivste, und effektivste Form unserer erzieherischen Tätigkeit - siehe auch unsere Überlegungen zum inhaltlichen Konzept unseres Hauses - sie besticht durch ihren engen, intimen Rahmen, bietet beste Möglichkeiten, Zugang zu den Jugendlichen zu finden, bietet wenig Fluchtmöglichkeiten und zwingt somit Konfliktsituationen, sowie sämtliche soziale Interaktionen zu erleben.
* "Wir erhofften uns von dieser Reise in erster Linie eine Festigung und Ausbildung der einzelnen Persönlichkeiten und Charaktere, sowie eine positive Veränderung der Atmosphäre im Haus der Jugend selbst.

* Auszug aus der Griechenlandbegr. 94

Auswahl des Reiseziels:

Hier gilt selbstverständlich was wir auch in den vergangenen Jahren dazu gesagt haben. Es bleibt lediglich zu betonen, dass Griechenland kulturell viel zu bieten hat, ideale Campingplätze hat, nach wie vor preiswert und ein Land mit Schön-Wetter-Garantie ist.
Hiermit bietet es die besten Rahmenbedingungen die zu einer erfolgreichen Freizeit dazugehören.
Griechenland auch......
* "um vor Ort über Vorurteile diskutieren zu können, und durch "Abenteuer-Ähnlich-Erlebnisse" sich einer fremden Kultur zu nähern, um sie verstehen zu lernen.
Die völlig fremde Umgebung, Sprache und Währung zwingt die Jugendlichen offensiv und selbstständig zu handeln, und kann das Selbstbewusstsein stärken.
Die "Exotik" des Auslandes bietet dem Jugendlichen die Möglichkeit auf dem "Nullpunkt seiner Erfahrungen" zu beginnen, d.h. die für ihn üblichen Modelle seiner sozialen Umgangsformen sind nicht im vollen Umfang gültig, weil er sie eigens für sein persönliches Umfeld konstruiert hat und diese auf dieses neue Umfeld nicht immer übertragbar sind. Es bietet ihm also die Möglichkeit unbefangener neue soziale Umgangsformen zu erfahren und sein eigenes Persönlichkeitsbild zu überprüfen.
Griechenland ist die älteste Kultur Europas, ist landschaftlich sehr reizvoll und viele Teile sind vom üblichen Massentourismus verschont geblieben, so dass man Land und Leute noch "ursprünglich" antreffen kann."

* Auszug aus dem Griechenland Nachbericht `94

Weiterhin halte ich eine Kostendiskussion für unangebracht:

  1. Weil mir keine andere vergleichbare Fahrt bekannt ist, die auch nur annähernd so günstig, und ebenso erfolgreich ist. Vergl. Niederlande, die fünf neuen Bundesländer usw...
  2. Weil unsere Freizeiten größtenteils selbst finanziert sind; wobei wir die Jugendlichen mit einbinden, Gruppenbildung und Gruppenidentitätsfindung schon deswegen ein Teil der Vorbereitung auf die Fahrt darstellen.

  3. * "Es mag sein, dass Fahrten mit wenig Teilnehmern auf dem ersten Blick statistisch nicht effizient sind, wenn man über Quantität der pädagogischen Arbeit und nicht über den qualitativen Wert dieser Arbeit spricht.
    Meine Erfahrung, und auch die diesjährige Freizeit zeigt mir überdeutlich, dass die Effizienz unserer Arbeit mit der Gruppenstärke im Wechselspiel liegt, d.h. ich erreiche lieber bei 7 Jugendlichen viel, als bei 30 Jugendlichen wenig.
    So wie ein Lehrer seinen Auftrag lebendiger und effizienter bei 20 Schülern als bei 33 Schülern erfüllen kann. Ich möchte betonen, dass die Effizienz einer Freizeit auch davon abhängig ist, welche Auswirkungen sie auf das eigene Haus hat und, dass sich positive Veränderungen Einzelner auf andere übertragen und dieses wiederum eine Art "Rückgratbildung" für das Haus sein kann.
    Insgesamt liegt es nicht in meinem Ermessen was der Gesellschaft dienlicher erscheint, ich sage nur,ich habe mit einen kleineren, intimeren Freizeitrahmen die besseren Erfahrungen und räume gerne ein, dass unter gewissen Umständen auch ein größerer Rahmen in Frage kommt."
    * Auszug aus dem Griechenland Nachbericht `94

Diese Betrachtungen bringen uns zu dem Schluss, dass diese Freizeit, auch für unsere Arbeit im Haus, ein Erfolg war, und durchaus nicht der Abschluss dieser Art Aktivitäten einleitet, sondern fortgesetzt werden muss.

Peter Rehlich

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Letzte Aktualisierung
06.02.2007